Pension zum Kronwald
17121 Loitz, Kronwaldstraße 9 (Rustow)
Tel.: 03 99 98 - 1 01 29 -
Fax: 03 99 98 - 1 01 45

Fauna
Das Peenetal bietet in seiner Gesamtheit einen optimalen Lebensraum und somit die Gewähr für stabile und sich selbst reproduzierende Populationen des Bibers und des Fischotters. Die quantitativen Untersuchungen ergaben deutlich mehr als 100 Biberansiedlungen.

Auf der Basis seiner Bestandserhebungen nach der Stichprobenmethode lt. IUCN in Mecklenburg-Vorpommern gelangt BINNER (1994) zu der Erkenntnis, daß das Flußsystem der Peene einschließlich der Nebenflüsse einen wesentlichen Lebensraum des Otters in Vorpommern darstellt.

Hinsichtlich der Ornitho-Fauna gehört das Projektgebiet wegen seiner reichstrukturierten, mosaikartig aufgebauten Landschaft zu den bedeutendsten Lebensräumen Deutschlands. Des weiteren spielt es für das Zug- und Rastgeschehen und den Nahrungserwerb eine große Rolle. Mit Blick auf die internationale Bedeutung des Projektgebietes ist hervorzuheben, daß im Peenetal 22 (56,4 %) von 39 Arten des Anhang 1 der EG-Vogelschutzrichtlinie ein bzw. mehrere Vorkommen aufweisen.

Den Untersuchungsergebnissen des Pflege- und Entwicklungsplanes zufolge, ist das Peenesystem mit großer Wahrscheinlichkeit das an Fisch- und Rundmäulerarten reichste Flußsystem in Mecklenburg-Vorpommern. Von 51 in der Roten Liste des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufgeführten autochthonen Süßwasser- und Wanderfischarten kommen 37 Arten regelmäßig im Peenestrom vor. Auch Reptilien und Amphibien sowie Insekten spielen im Peenetal ihre ganz besondere Rolle.

Flora
Im Peenetal lassen sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt ca. 171 Vegetationsformen, die 9 Vegetationskomplexen zugeordnet werden können, unterscheiden. Dabei sind ca. 24% der vorkommenden Arten besonders schützenswert.

Biber und Otter
Das Peenetal bietet einen optimalen Lebensraum für stabile Populationen des Elbe-Biber (Castor fiber albicus) und des Fischotters (Lutra lutra). Die 1976 bei Gützkow ausgesetzten Biber (HEIDECKE 1977) haben sich ständig vermehrt und über das gesamte Peenetal von der Mündung bis über den Kummerower See hinaus ausgebreitet. Heute sind auch eigenständige Ansiedlungen in den Nebenflüssen zu finden. Es wurden 111 Biberansiedlungen, davon 99 Burgen und 12 Erdbaue, gefunden, wobei wahrscheinlich noch einige weitere Ansiedlungen unerkannt blieben.

Der Bestand des Fischotters ist nur anhand von Lebensspuren zu ermitteln. Sie finden sich über das gesamte Gebiet verteilt mit Schwerpunkt in den torfstichreichen Talabschnitten. Die großflächig gepolderten Bereiche werden weitgehend gemieden.
Nach Bestandserhebungen gemäß der von der IUCN empfohlenen Stichprobenmethode meint BINNER (1994), daß das Flußsystem der Peene einschließlich der Nebenflüsse einen wesentlichen Lebensraum des Otters in Vorpommern darstellt. Renaturierungsmaßnahmen dürften das Lebensraumangebot für den Fischotter noch beträchtlich erweitern.

Vögel
Hinsichtlich der Vögel gehört das Gebiet wegen seiner reichstrukturierten, mosaikartig aufgebauten Landschaft zu den bedeutendsten Lebensräumen Deutschlands. Es spielt für das Zug- und Rastgeschehen und den Nahrungserwerb eine große Rolle.
156 Brutvogelarten wurden im Gebiet registriert , das sind 80,1 % der rezenten Brutvogelfauna Mecklenburg-Vorpommerns. Von den 88 Arten der Roten Liste Mecklenburg-Vorpommerns sind allein 61 (69,3 %) mit einem oder mehr Vorkommen im Peenetal vertreten.
Die Verteilung auf die Gefährdungskategorien der Roten Liste Mecklenburg-Vorpommern bzw. Deutschlands zeigt Tabelle 3.
Die festgestellten Arten Kornweihe (Circus cyaneus), Wiesenweihe (Circus pygargus), Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Schlagschwirl (Locustella fluviatilis), Bartmeise (Panurus biarmicus), Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) und Blaukehlchen (Cyanosylvia svecica) können als Leitarten der Avizönose der hochkomplexen Flußtalmoorlandschaft gelten.
22 von 39 Arten des Anhang 1 der EG-Vogelschutzrichtlinie weisen im Peenetal ein bzw. mehrere Vorkommen auf. Neben den bereits genannten Arten Wiesenweihe, Kornweihe und Blaukehlchen tritt insbesondere der Wachtelkönig (Crex crex) hier konzentriert auf.

Fische
Das Peenesystem ist mit großer Wahrscheinlichkeit das an Fischen und Rundmäulern reichste Flußsystem in Mecklenburg-Vorpommern. Ursache dafür ist einerseits die Nähe zur Oder mit ihren zahlreichen anadromen Wanderarten sowie Arten der Flußunterläufe und andererseits die Nähe zum Haff, die einen direkten Austausch mit der Fauna des Estuarbereiches ermöglicht.

Zu den bedeutendsten Vertretern anadromer Fischarten und Rundmäuler in der Peene zählen die Meerforelle (Salmo trutta trutta) und das Flußneunauge (Lampetra fluviatilis L.). Die potamalen Arten Zope (Abramis ballerus L.), Zärthe (Vimba vimba L.), Aland (Leuciscus idus L.) und Rapfen (Aspius aspius L.) zählen zu den gefährdeten Arten.

Zuflüsse wie der Libnower Mühlbach (Bach-, Flußneunauge, Bachforelle) oder die Tollense (Zährte, Bachneunauge, Schmerle) besitzen Refugialfunktion. Einschränkungen und Belastungen dieser Zuflüsse, die durch den Bau von Wehren und Stauen entstanden, erschweren oder verhindern ein Besiedeln durch Wanderfische und führen damit in der Peene zu Schädigungen der Fisch-Biozönose.

Von 51 in der Roten Liste des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufgeführten autochtonen Süßwasser- und Wanderfischarten kommen 37 Arten regelmäßig im Peenestrom vor. Weitere 5 Arten sind als allochtone Arten anzusehen, deren Bestand direkt von den Besatzmaßnahmen der Fischerei abhängt. Neben der Meerforelle (Salmo trutta trutta) wurden die sich ebenfalls nicht in der Peene vermehrenden Arten Lachs (Salmo salar L.), Ostseeschnäpel (Coregonus lavaretus balticus) und Flunder (Platichthys flesus L.) in Einzelfängen nachgewiesen.

Amphibien und Reptilien
Die Reichhaltigkeit an Habitaten bietet Amphibien und Reptilien ideale Lebensräume. Im Peenetal sind von den 14 potentiell zu erwartenden Lurchen Erdkröte (Bufo bufo), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Wechselkröte (Bufo viridis), Laubfrosch (Hyla arborea), Moorfrosch (Rana arvalis), Grasfrosch (Rana temporaria), Teichfrosch (Rana kl. esculenta) und Wasserfrosch (Rana lessonae) sowie die Rotbauchunke (Bombina bombina) und der Teichmolch (Triturus vulgaris) vertreten. Vom Seefrosch (Rana ridibunda) sind aufgrund von Nachweisen an Haff- und Peenestromküste mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls Vorkommen im Peenetal zu erwarten (SCHIEMENZ & GUNTHER 1994). Unter den Reptilien sind Zauneidechse (Lacerta agilis), Waldeidechse (Lacerta vivipara), Ringelnatter (Natrix natrix), Blindschleiche (Anguis fragilis) und Kreuzotter (Vipera berus) nachgewiesen worden. Aufgrund fehlender Neufunde muß der aktuelle Status der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) vorerst offen bleiben. Die Glattnatter (Coronella austriaca) als potentiell zu erwartende Art konnte nicht nachgewiesen werden.

Insekten
Das reiche Artenspektrum der Entomofauna wird durch die Vielfalt innerhhalb der kleinflächig wechselnden Mosaike der Vegetationsformen bestimmt. Insgesamt konnten 64 verschiedene Tagfalterarten und 5 Widderchen nachgewiesen werden, von denen 33 (53 %) in der Roten Liste Mecklenburg-Vorpommerns geführt werden. Das Artenspektrum der Tagfalterfauna mit einer hohen Anzahl hygro- und tyrphophiler Spezies umfaßt u.a. 3 vom Aussterben bedrohte und 9 stark gefährdete Arten.
Von den Widderchen sind 4 der 5 erfaßten Spezies zumindest als gefährdet einzustufen.

Bei den Nachtfaltern sind 77 (16 %) der 483 aktuell nachgewiesenen Arten im abgeschlossenen Entwurf zur Roten Liste Mecklenburg-Vorpommern aufgeführt. Stellvertretend sollen als vom Aussterben bedrohte Arten der als postglaziales Relikt einzustufende Eriopygodes imbecilla (im Peenetal einziges Vorkommen Norddeutschlands), Scopula corrivalaria, Perizoma bifaciata und Diarsia dahlii und als stark gefährdete Arten Laelia coenosa, Nola aerugula und Setina irrorella genannt werden. Bemerkenswert ist, daß das gesamte Spektrum der Schilfeulen, die als Zeiger für Feuchtgebiete gelten und aufgrund des Rückgangs ihrer spezifischen Lebensräume ebenfalls als bedroht einzustufen sind, durch Funde belegt werden konnte.

Auch die Coleopterenfauna des Peenetals unterstreicht die überregionale Bedeutung des Gebietes. Der in den letzten Jahren wohl am häufigsten erwähnte Käfer ist Carabus menetriesi, der bisher mindestens in 7 Exemplaren belegt und zu den bedeutensten faunistischen Besonderheiten unserer Heimat zu zählen ist (MÜLLER-MOTZFELD & HARTMANN 1985). Diese Art gilt als Vertreter einer seit Jahrtausenden isolierten Lokalform und als ein seltenes Relikt der ersten nacheiszeitlichen Waldmoore. Nächste Vorkommen in Ostpolen bzw. in einem Wiesenmoor bei Geier im Erzgebirge sind Hunderte von Kilometern entfernt. Eine Rarität des Peenetals ist auch Chlaenius costulatus, der bislang in Deutschland als verschollen galt und nach über 50 Jahren erstmalig wieder nachgewiesen werden konnte.(MÜLLER-MOTZFELD 1994; Material aus coll. Kulbe, Greifswald).Als weitere seltene Laufkäfer seien noch Trechus rivularis, ein typischer Moorbewohner, sowie die nordische Art Bembidion transparens genannt, die beide im Gebiet die südliche Grenze ihres Areals erreichen und immer nur an schattigen Grabenrändern in Einzelexemplaren gefunden wurden.

Ewähnenswerte Arten der phytophagen Käfer sind u.a. der seltene Rüsselkäfer Phytobius muricatus, die an Lythrum salicaria lebenden Nanomius circumscriptus und Nanophyes globiformis (beides Neufunde für Mecklenburg-Vorpommern), der an im Wasser stehenden Umbelliferen lebende Lixus paraplectius, der an Krebsschere (Stratiotes aloides) submers lebende Bagous binodulus sowie die Arten der Trockenrasen Platynaspis luteorubra, der an Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare) und Färberhundskamille (Anthemis tinctoria) lebende Apion stolidum sowie Apion austriacum, der an Centaurea scabiosa gebunden ist.

Eine weitere bemerkenswerte Coleopterenart ist der Nestkäfer Choleva sturmi. Diese für unser Gebiet neue Art lebt in Kleinsäugerbauten und ist in Mitteleuropa lediglich aus Bayern, der ehemaligen Tschecheslowakei und Ostpolen sicher belegt.
Quelle: Naturschutzgroßprojekt Peenetallandschaft

6
11
12
13
9
5.1